Konzept zur Leistungssteigerung der Turner in der Abteilung Gerätturnen männlich im Turnverein Cochem

In der letzten Sitzung der Abteilung wurde der Wunsch nach einem richtungsweisenden Konzept geäußert, um die Zeit in der Halle bestmöglichst zu optimieren und es den neuen Trainern so einfach wie möglich zu machen einen Einstieg zu finden. Im folgenden wird dieses Konzept erläutert.

1. Einleitung
2. Skizzierung der Gruppe
3. Momentaner Stundenablauf in der frühen Gruppe
3.1 Aufwärmen
3.2 Hauptteil
3.3 Abwärmen
4. Momentaner Stundenablauf in der späten Gruppe
4.1 Aufwärmen
4.2 Hauptteil
4.3 Abwärmen
5. Potential für Verbesserungen
5.1 Unregelmäßige Anwesenheit
5.2 Wartezeit im Training
5.3 Motivation
6. Lösungen und Darstellung des eigentlichen Konzeptes
6.1 Prinzipielles
6.2 Umstrukturierung Trainingsablauf früh
6.3 Umstrukturierung Trainingsablauf spät
6.4 Grundlagentraining
6.5 Übungen auf dem Rückweg
6.5.1 Boden
6.5.2 Pauschenpferd
6.5.3 Ringe
6.5.4 Sprung
6.5.5 Barren
6.5.6 Reck
6.6 Verbesserung der Motivationslage bei Turnern
6.7 Trainieren auch außerhalb der Turnstunde
6.8 Ehrung besonders fleißiger Sportler
7. Umgang mit den Turnern
8. Zusammenfassung

1. Einleitung

Eine systematische Planung der Trainingsprozesse ist grundlegender Bestandteil einer Leistungssteigerung unserer Turner. Der Ablauf innerhalb der Trainingseinheiten soll sowohl zeitlich, als auch personell optimiert werden um ein Maximum an Effizienz und damit auch Erfolg zu erreichen. Aus diesem Grund soll im Folgenden eine Struktur des Trainings erarbeitet und schriftlich festgehalten werden.

2. Skizzierung der Gruppe

Die Gerätturnabteilung männlich besteht momentan aus 40 Turnern, von denen regelmäßig, das heißt mindestens einmal in der Woche, 26 Turner das Training besuchen. Der Anteil derer, die nicht regelmäßig zum Training kommen besteht zu einem großen Teil aus ehemaligen Turnern, die aufgrund von Arbeit oder Studium ihren Wohnsitz verlagern mussten und somit durch die nun entstandene Entfernung nur noch unregelmäßig, meist in den Semesterferien zum Training erscheinen. Das Alter aller Turner umfasst die Jahrgänge 1985 bis 2007 bei denen, die regelmäßig zum Training erscheinen. Somit kann bei den regelmäßigen Turnern ein Durchschnittsalter von 13,62 Jahren festgestellt werden.
Unsere Turnabteilung kann auf insgesamt 10,5 Stunden Hallenzeit in der Woche zurückgreifen, wobei diese Hallenzeit durch die flexible Nutzung der Halle am Wochenende erweiterbar wäre. Diese Zeiten verteilen sich auf die Tage Mittwoch, 4 Stunden, Freitag, 4,5 Stunden und Sonntag, 2 Stunden. Der Belegungsplan der Halle macht es am Mittwoch notwendig die Geräte sowohl auf- als auch abzubauen. Freitags werden die Geräte zwar aufgebaut, dürfen aber das Wochenende über stehen bleiben, sodass diese erst Sonntags wieder abgebaut werden müssen. Samstags werden die aufgebauten Geräte durch die Abteilung Gerätturnen weiblich genutzt. Die Hallenzeiten am Mittwoch und Freitag werden unterteilt in zwei Gruppen; eine frühe Gruppe mit den jüngeren Turnern (Jahrgang 2002 und jünger) und eine späte Gruppe mit den älteren Turnern (Jahrgang 2001 und älter)
An Trainern kann die Abteilung Gerätturnen männlich auf 4 Fachlizenzen Gerätturnen, 1 Fremdlizenz und 2 Übungsleiterassistenten zurückgreifen. Darunter befinden sich auch 2 Physiotherapeuten. Dieses Personal verteilt sich gleichmäßig auf die Trainingstage. Eine bedarfsorientierte Verteilung der Übungsleiter ist ebenfalls möglich. Nötig wird dies bei Urlaub, schulischen oder sonstigen Aktivitäten der eigentlich diensthabenden Trainer.

3. Momentaner Stundenablauf in der frühen Gruppe

Wie in Abschnitt 2 bereits erwähnt werden die Turner in zwei Altersgruppen unterteilt. Ein allgemeines Konzept zur Erwärmung aller ist wegen der großen Altersunterschiede nicht möglich und auch nicht sinnvoll.

3.1 Aufwärmen

Durch die unermüdliche Arbeit von Eduard, der immer etwa 20 Minuten vor Trainingsbeginn in der Halle ist und anfängt die Geräte aufzubauen, kann mit dem Aufwärmen zügig begonnen werden. Dieses gestaltet sich in Form eines Sprintens, bei dem immer zwei Turner gegeneinander von einer Grundlinie des Volleyballfeldes aus längs durch die Halle in Richtung einer aufgestellten Matte laufen sollen, die von einem Trainer fixiert wird. Dabei geht es neben der Erwärmung des Herz-Kreislaufsystems auch um die Verbesserung der neuro-muskulären Koordination, welche durch die Reaktion auf ein Startkommando trainiert wird. Neben Hochstarts werden auch Starts aus Bauch- bzw. Rückenlage verwendet in denen die Turner die jeweilige Schiffchenposition erreichen sollen, bevor das Startsignal gegeben wird. Auch das Fortbewegen auf allen Vieren gehört zum Aufwärmen mit dazu. Diese Übung und auch deren Variante, das ganze rücklings als „Spinne“ auszuführen, zeigt nach wie vor deutliche Defizite der Kinder auf bei Kraft und Koordination.
Im Anschluss werden die Turner an die Taue begleitet, bei denen sie nacheinander mindestens einmal unter die Decke geklettert sein sollen. Hilfestellung wird, wenn erforderlich, gegeben oder es wird ein Block oder Kasten aufgebaut, bei dem die muskulär noch untrainierten Turner den Auftrag bekommen „Hand-unter-Hand“ von dem Block langsam sich am Seil nach unten gleiten zu lassen.
Danach werden alle Turner auf der Bodenmatte versammelt um gemeinsam Liegestützen und Sit-Ups auszuführen. Diese ersten Kräftigungsübungen gehen über in Spannungsübungen. Bei diesen werden die verschiedenen Schiffchenpositionen (Bauch-, Rücken- und Seitlage re und li) auf Kommando eingenommen, wenn nötig korrigiert und auf Kommando hin wieder gelöst.
Fortgefahren wird mit Dehnungen im Grätschsitz. Auf Kommando und vorheriger korrigierter Körperhaltung mit einem aufrechten und somit geraden Rücken und erhobenen und gestreckten Armen werden nacheinander gemeinsam die Positionen rechts, links und Mitte gedehnt. In gleicher Weise wird im Langsitz verfahren, bei dem nur nach vorne unten gedehnt wird. Danach erfolgt die Einteilung in die einzelnen Gruppen. Diese wurden im Vorfeld sowohl nach Alter, als auch nach Leistungsstand der Kinder eingeteilt. Die erneute Einteilung in jeder Stunde wird notwendig durch die teilweise unstete Anwesenheit einiger Turner. Auch ist diese vonnöten wenn, wie in Abschnitt 2 beschrieben, ein Trainer nicht da ist oder durch einen anderen ersetzt wird.

3.2 Hauptteil

Anschließend kommt es zum eigentlichen Hauptteil innerhalb des Trainings, dem Turnen an den Geräten. Dabei werden neben neuen Elementen auch die bestehenden Übungen durch viele Wiederholungen gefestigt. Die Ausgestaltung dieses Stundenteils ist jedem Trainer weitgehend selbst überlassen. Geachtet wird in jedem Fall auf eine korrekte Ausführung der gezeigten Elemente und Übungen. Vor allem Körperspannung ist hier ein Schwerpunkt und wird konsequent als Hauptfehlerquelle den Kindern immer wieder korrigierend mitgeteilt. Der Ablauf des Hauptteils wird durch ein mehr oder weniger gemeinsames Wechseln der einzelnen Trainer mit ihren Gruppen der Geräte strukturiert, wobei durchschnittlich 20 Minuten pro Gerät zugebracht werden, sodass etwa 3 Geräte in einer Trainingseinheit beturnt werden können

3.3 Abwärmen

Den Abschluss einer jeden Turnstunde stellt ein kurzes Programm zum Dehnen und Kräftigen innerhalb der Gruppen dar, bevor sich dann zum Ende der Trainingseinheit alle aktiven Turner auf der Barrenmatte versammeln, kurze Informationen zu anstehenden Veranstaltungen erhalten und dann mit der Frage „Turnen ist?“ verabschiedet werden, die seitens der Aktiven mit einem lauten „Spitze!“ beantwortet wird.

4. Momentaner Stundenablauf in der späten Gruppe

Die späte Gruppe ist gekennzeichnet von deutlich mehr Eigenverantwortlichkeit der Turner. In noch einem höheren Maß, als das bereits der Fall in der frühen Gruppe ist, wird davon ausgegangen, dass alle Anwesenden motiviert sind zu turnen. Deshalb wird auf eine Motivation zum Turnen seitens der Trainer weitestgehend verzichtet. Die Trainer fungieren innerhalb dieser Gruppe mehr als Springer ohne einer festen Einheit an Turnern zugeordnet zu sein. Wer Hilfestellung benötigt der ruft nach einem Trainer.

4.1 Aufwärmen

Das Aufwärmen erfolgt individuell und nach keinem festgelegten Schemata. Wichtig ist lediglich, dass alle Muskelgruppen erwärmt wurden und alle Gelenke beweglich gemacht wurden damit ein verletzungsfreier Trainingsbetrieb möglich ist.

4.2 Hauptteil

Gruppen bilden sich von alleine, teilweise nach Neigung zu einem Gerät oder einem Element oder es finden sich etwa gleiche Leistungsniveaus zusammen. Diese wechseln selbstständig die Geräte und holen sich, wenn dies notwendig ist, einen Trainer dazu der korrigiert, Tipps und Hilfestellung gibt. Dabei wird von Seiten der Turner darauf geachtet, dass innerhalb einer Woche möglichst jedes Gerät beturnt wurde.

4.3 Abwärmen

Das Abwärmen erfolgt meist gemeinsam etwa 15 Minuten vor Ende der Turnstunde bzw. 30 Minuten vor Stundenende wenn die Geräte noch abgebaut werden müssen. Darin enthalten sind Kraftelemente wie Hung-Ups, Klimmzüge, Pumpen (Dips) und Dehnungen, darunter Spagat, Lang- und Grätschsitz sowie Dehnung der Schultermuskulatur. Die Kraftübungen sollen mindestens 10 mal durchgeführt werden und mindestens 5 Minuten sollen für die Dehnungen investiert werden.

5. Potential für Verbesserungen

In dem bisherigen Konzept steckt deutliches Potential zur Verbesserung. Dabei stehen drei Hauptprobleme im Vordergrund: Die unregelmäßige Anwesenheit vieler Turner, die Wartezeit und damit ungenutzte Trainingszeit an den Geräten und die Motivationslage der Turner. Daneben bietet sich eine bessere Strukturierung des Trainings an.

5.1 Unregelmäßige Anwesenheit

Ein Trainingsprozess ist ein auf Dauerhaftigkeit angelegter Prozess, bei dem die einzelnen Phasen des Trainings nur zusammen ein großes Ganzes ergeben. Es ist nicht nur für den Turner frustrierend, wenn ein Element wieder und wieder neu erlernt werden muss weil zwischen den einzelnen Trainingssequenzen zu viel Zeit liegt. Das unstete Erscheinen beim Training hat dabei mehrere Gründe.
Vor allem belastet die Schule die Turner sehr stark. Jede Menge an Klassenarbeiten und Klausuren ergeben einen sehr hohen Lernaufwand. Nachhilfe in Problemfächern erschwert die Situation zusätzlich. Diesen Mangel an eigener Freizeit, in der Kinder Turnen gehen könnten spüren alle Abteilungen. Daran verändert auch eine Ganztagesschule oder betreuende Grundschule nichts. Im Gegenteil. Nach einem sehr langen Tag in der Schule, der meist genau so lang ist wie ein Arbeitstag, ist es durchaus verständlich, dass die Motivation noch zusätzlich zum Turnen zu kommen nachlässt.
Unregelmäßiges Erscheinen beim Training wird aber auch durch die Wahl von anderen Freizeitaktivitäten, sei es durch weiteren Sport wie Fußball, das Erlernen eines Instruments oder das Engagement in anderen Vereinen, wie der Feuerwehr oder der Kirche, begründet. Dabei ist es interessant zu beobachten, wo die Turner ihre persönlichen Schwerpunkte legen.
Geburtstage. Eine furchtbare Notwendigkeit aller Kinder. Eigentlich ja etwas schönes, werden diese aber grundsätzlich auf Tage gelegt, an denen Turnen stattfindet. Leider ist an diesem Umstand nur wenig zu ändern, sind es doch meist die Freunde unserer Turner, die an diesen Tagen ihren Geburtstag feiern müssen.

5.2 Wartezeit im Training

Momentan ist es so, dass ein Turner am Gerät ist, während der Rest untätig, im besten Fall artig, auf der Bank sitzt und wartet. Die Realität sieht meist so aus, dass die ungenutzte Zeit dafür verwendet wird sich untereinander zu ärgern, drangsalieren oder sich auf eine sonst wie erdenkbare Art und Weise das Leben schwer zu machen. Das stört nicht nur den Trainer und den eigentlich turnenden, es bedeutet für den Trainer auch ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit, muss er nicht nur das Gerät mit dem Turner, sondern auch noch die Bank im Auge haben.

5.3 Motivation

Motivation ist ein entscheidender Faktor wenn es darum geht eigene Prioritäten zu setzen oder die eigenen Eltern in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen oder zu überzeugen. Das Turnen muss es schaffen einen hohen Motivationscharakter zu erreichen. Dazu gehört, dass vor allem die intrinsische Motivation gefördert wird. Nur mit Hilfe derer ist ein dauerhaftes Aufrechterhalten der Motivation der Turner möglich. Es darf im Training nicht dazu kommen, dass nur noch geturnt wird, weil der Trainer das so möchte, sondern es soll geturnt werden, weil mensch selbst dieses Element, diese Übung usw. unbedingt erlernen möchte. Das Anhalten der intrinsischen Motivation ist somit um ein vielfaches länger. Außerdem erfordert extrinsische Motivation einen erheblichen Aufwand des Trainers nach dem Motto „Nun mach doch mal“, weil der Turner den Grund für diese Übung nicht erkennt und somit sich auch nicht für diese Übung begeistern kann.

6. Lösungen und Darstellung des eigentlichen Konzepts

Was lange währt wird endlich gut muss nicht in jedem Fall zutreffen. Nicht alles, was seit Jahrzehnten Bestand hat, muss auch immer noch Gültigkeit haben. Vieles wurde erweitert oder durch neue Erkenntnisse ergänzt. In diesem nun vorliegenden Konzept soll viel „Altes“ durch viel „Neues“ ersetzt werden.

6.1 Prinzipielles

Das Training soll sich nicht mehr mit seinem Schwerpunkt an dem Erlernen von ganzen Übungen oder Elementen aufhalten. Worauf ab sofort mehr Wert gelegt werden soll, ist ein Training der Grundlagen. Dazu gehören neben Beweglichkeit und Kraft auch das Training der koordinativen Fähigkeiten. Diese Veränderung wird nötig durch das momentan noch unregelmäßig Erscheinen unserer Turner. Für diese macht es keinen Sinn immer und immer wieder bei einem Element anzufangen obwohl die koordinativen Fähigkeiten, als auch die Voraussetzungen in Sachen Kraft und Beweglichkeit nicht trainiert wurden. Mit einem ausreichenden Maß an Training der Grundlagen kann diesem Manko entgegengewirkt werden

6.2 Umstrukturierung Trainingsablauf früh

Das Aufwärmen ist in seiner momentanen Form schon recht effektiv. Allerdings können in das Sprinten am Anfang noch weitere Bewegungsformen eingebracht werden wie zum Beispiel einen Seitgalopp. Auch der Rückweg zum Anstellen soll besser genutzt werden durch zum Beispiel eine Rolle vorwärts auf der Barrenmatte mit anschließendem Strecksprung.
Die Seile sollten aufgrund der auftretenden Wartezeit nicht mehr im Aufwärmen benutzt werden und hinein in den Hauptteil verlegt werden. Übungen am Boden können einmal Klettern an den Seilen beinhalten. Spannungsübungen und Dehnung sind ebenso wichtig im Aufwärmen wie eine kurze Serie von Liegestützen und Sit-Ups, wobei auf eine saubere Ausführung geachtet werden muss.
Der Hauptteil sollte, wenn möglich, keine Wartezeiten enthalten sondern die Kinder permanent in Bewegung halten. Dies maximiert nicht nur den Effekt des Trainings sondern erstickt Langeweile und damit Ärger untereinander im Keim. Um Wartezeiten zu verhindern soll auf dem ‚Rückweg‘ (Vom Ende des Geräts wieder hin zum Anfang und Anstellen) ein Grundlagentraining absolviert werden. Näheres zu den Rückwegübungen unter 6.4 und 6.5.
Das Ende der Stunde soll ein für alle Gruppen verbindliches Krafttraining beinhalten, bei dem verstärkt auf Bauchmuskel- und Armkraft geachtet werden soll. Auch das Dehnen, momentan eher sporadisch, soll konsequenter mit allen Gruppen durchgeführt werden. Diesen Abschluss führen die Gruppen intern durch, bevor dann die Verabschiedung aller auf der Barrenmatte erfolgt.

6.3 Umstrukturierung Trainingsablauf spät

Das individuelle Aufwärmen ist nicht zu beanstanden, sollte es doch aber erweitert werden um einen ‚Handstand-Drill‘ am Anfang um dieses enorm wichtige und für sehr viele Elemente grundlegende Teil zu üben.
Beim Hauptteil soll wie auch bei der frühen Gruppe der Rückweg genutzt werden. Siehe dazu 6.4 und 6.5.
Das Ende mit gemeinsamem Krafttraining und Dehnen soll in seiner Form beibehalten werden, bietet doch 6.6 die Möglichkeit besondere Kraftleistungen zu honorieren.

6.4 Grundlagentraining

Da das Rad nicht neu erfunden werden muss, soll hier auf den Rahmentrainingsplan Gerätturnen männlich verwiesen werden, der ab Seite 16 deutlich macht, welche Voraussetzungen für die einzelnen Geräte und die Elemente notwendig sind. Welche Elemente daraus für unser Training herausgezogen werden zeigt folgende Liste:

Kraft

  • Sprungkraft
  • Rumpfkraft
  • Landekraft
  • Maximalkraft
  • Explosivkraft für Absprung
  • Stützkraft

Beweglichkeit

  • Armrumpfwinkel
  • Beinrumpfwinkel!
  • Spagat
  • Spreizen

Ausdauer

  • Ausdauer allgemein verbessern

Koordinative Fähigkeiten

  • Armführung mit Kopfhaltung
  • Orientierungsfähigkeit bei Drehungen um die verschiedenen Körperachsen
  • Gleichgewicht
  • Zielgenauigkeit
  • Körpergefühl
  • Sprinten

Die Durchführung dieses Grundlagentrainings soll sich so gestalten, dass es in der normalerweise eintretenden Wartezeit stattfindet. Das heißt auf dem Weg ‚zurück‘ zum Anstellen sind verschiedene Stationen aufgebaut, die die Turner durchlaufen müssen bevor sie sich wieder am Gerät anstellen können um mit dem Trainer neue Elemente zu üben. Dabei soll darauf geachtet werden, dass die Anzahl der Stationen an die Anzahl der Turner angepasst wird, damit es nicht zu einem zu viel an Wartezeit kommt. Die Übungen sind entweder in ihrer Ausführung so einfach zu wählen, dass die Turner sich hier keine Fehler antrainieren können, oder diese Übungen wurden im Vorfeld bereits geübt und die Turner wissen auf was sie achten müssen. Der Begriff Rückwegübung soll geprägt werden, damit die Turner auch bei einem Trainerwechsel dessen Intention versteht.
Diese Form des Trainings erfordert ein gewisses Vertrauen auf beiden Seiten, seitens des Trainers, der sich darauf verlassen muss, dass die Übung ordentlich ausgeführt wird und seitens des Turners, der sich bewusst ist, dass der Trainer ihm vertraut, dass er die Übung auch ordentlich durchführt. Dieses Maß an Verantwortung, das der Turner zu tragen hat, wirkt sich nicht nur positiv auf seine sportliche Leistung aus, sondern wirkt zusätzlich stärkend für sein Selbstwertgefühl und kann mithelfen die Motivationslage zu verbessern.

6.5 Übungen auf dem Rückweg

Im folgenden sollen Übungen, Materialien und räumlicher Aufbau für ein Grundlagentraining an den einzelnen Geräten aufgezeigt werden.

6.5.1 Boden

  • Handstand an der Wand entlang laufen
  • Hocksprünge über eine Bank, die zwischen Matte und Wand steht
  • Räder an der Wand entlang
  • Einige Turnhocker hintereinander stellen und Sprungkraft bzw. Körperspannung trainieren durch das Aufspringen oder Überspringen der Turnhocker
  • Handstandklötzchen an der Wand zum Wandern im Handstand
  • Spreizsprünge, ganze Drehungen, Strecksprünge auf dem Rückweg

5.5.2 Pauschenpferd

  • Eimer
    • Kreisflanken
    • Gewichtsverlagerung
    • Verlagerung der Schulter nach vorne/hinten
  • Pilz (mit und ohne Pauschen)
  • Korpus
  • Spagat
  • Flunder
  • Um einen Kasten herumstützeln

6.5.3 Ringe

  • Longe
  • Handstand mit Hilfsmitteln
  • kurze Ringe am Reck oder Barren
  • Handstand am Minibarren
  • Kraft an Reck und Barren trainieren

6.5.4 Sprung

  • Hung-Ups an der Sprossenwand
  • Strecksprünge auf dem Rückweg
  • Hocksprünge über eine Bank
  • Üben von Absprung und Landung durch Aufbau Kasten-Sprungbrett-Matte
  • Üben des Absprungs durch Sprungbrett an der Sprossenwand
  • Spreizen an der Sprossenwand
  • Handstand an der Wand stehen
  • Auf der Pauschenpferdmatte Handstand Abdruck

6.5.5 Barren

  • Minibarren (Handstand, Winkelstütz, …)
  • Zwei parallele Kästen für Rolle, Oberarmstand, Schwingen
  • Körperspannung durch Liegestützposition mit Füßen auf einem Turnhocker
  • Üben der Kippbewegung auf der Bodenmatten mit aufgeklebten Barrenholmen
  • Üben der Drehung im Handstand auf der Bodenbahn mit aufgeklebten Barrenholmen

6.5.6 Reck

  • Nutzen mehrerer Reckstangen um sowohl Hoch- als auch Niedrigreck zu trainieren
  • Liegestützposition mit Händen auf einem Stab zum Trainieren der Rückschwungposition
  • Handstand an der Wand
  • Körperspannung „Hände-Füße-Hände-Füße“ auf dem Trampolin
  • Ringe nutzen für Kraft durch zum Beispiel halten im Klimmzug

6.6 Verbesserung der Motivationslage bei Turnern

Wie in 5.3 bereits erwähnt, ist Motivation ein elementarer Bestandteil des Trainings. Dabei soll geschafft werden, dass die Motivation aus den Turnern selbst kommt. Diese Motivation zur Leistung ist wichtig, um sich auch bei ‚blöden‘ Übungen bei Laune zu halten und durchzuhalten, bis diese weniger schöne Phase schlussendlich von Erfolg gekrönt wird.
Neben dem Ziel die Quelle der Motivation vom Trainer hin auf den Turner zu verschieben, soll auch geschafft werden das Selbstwertgefühl der Turner durch öffentlichkeitswirksame Aktionen zu verbessern. Andere Sportarten haben Zwischenprüfungen oder es wird in eine andere Klasse aufgestiegen, ein Abzeichen winkt für eine besonders tolle Leistung oder ein anders farbiger Gürtel darf getragen werden. Sogar die Badehose kann mit Abzeichen geziert werden. Aus diesem Grund heraus sollen auch beim Turnern Leistungsabzeichen eingeführt werden. Dabei soll unter anderem die Idee eines Handstand-TÜVs aufgegriffen werden, bei dem auf dem Turnfest der dazugehörige Pin nur dann erteilt wurde, wenn der Handstand 3 sec lang gestanden, im Handstand 2m gegangen und eine halbe Drehung im Handstand gemacht wurde. Diese Grundidee weiter gedacht sollen die Turner die Möglichkeit erhalten ihre Leistungen besser zu dokumentieren und durch Urkunden ihrem Umfeld auch glaubhaft zu machen. Kernelemente und vor allem Übungen aus dem akrobatischen Bereich sollen hier Belonung finden. Vor allem höhere Elemente wie alle akrobatischen Verbindungen oder Teile, die ein Turner von Natur aus nur ungern trainiert wie Spagat sollen so belohnt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass diese Leistungsabzeichen nicht inflationär verteilt werden, sondern dass der Kriterienkatalog genauestens eingehalten wird. Eine mögliche Liste könnte sein

  • Spagat
  • Handstand-TÜV
  • Klimmzüge
  • Salto vw / rw
  • Flick-Flack
  • Schraube
  • Kreisflanke
  • Handstand auf dem Barren
  • Riesenfelge
  • Zugstemme
  • Kreuzhang
  • Winkelstütz / Spitzwinkelstütz

Geprüft werden die Elemente in der Trainingseinheit von mindestens zwei Trainern bevor eine entsprechende Urkunde ausgestellt wird. Ein Bericht mit Bild auf der Homepage und in der Zeitung verstehen sich von selbst. Das Konzept dazu findet ihr hier.

6.7 Trainieren auch außerhalb der Turnstunde

Da das Problem des unsteten Trainings vorhanden ist, muss die Turnabteilung einfach das Beste daraus machen. Durch Übungsaufgaben, die jeder Turner auch zu Hause durchführen kann, wird das Training fortgesetzt und schulisch oder sonst wie bedingte Unterbrechungen des Trainings werden so sinnvoll überbrückt. Um auch hier die Motivation zur Durchführung der Aufgaben zu erhöhen soll eine Art Hausaufgabenheft eingeführt werden, in dem jeder Turner selbstständig vermerkt ob er seine Hausaufgabe gemacht hat oder nicht. Dabei wird jede gemachte Hausaufgabe in TurnErfahrungsPunkte umgerechnet, die sich dann der Turner auszahlen lassen kann. Der Gegenwert sind zum Beispiel das Aussuchen des turnerischen Schwerpunkts der Turnstunde oder die Erfüllung des Wunsches nach besonderen Aktionen wie dem Toaster oder einer Rollbrett-Rallye.
Mögliche Elemente für Hausaufgaben sind:

  • Ausschultern
  • Schiffchenpositionen
  • Spagat
  • Dehnung in die Flunder

Die Trainer sind dazu aufgefordert die den Turnern aufgetragene Hausaufgabe regelmäßig zu kontrollieren um so den Fortschritt festzustellen und auch zu dokumentieren. Schließlich sollen die Punkte nur für tatsächlich gemachte Hausaufgaben vergeben werden.
Das ausgearbeitete Konzept zu den Hausaufgaben findet ihr hier.

6.8 Ehrung besonders fleißiger Sportler

Neben der in jeder Stunde dokumentierten Anwesenheit der Turner kann mithilfe des in 6.7 erwähnten Punktesystems der „Fleiß“ jedes Turners individuell bewertet werden. Dieser soll, maximal zweimal im Jahr, zu Nikolaus und auf der Happy Mary gesondert gewürdigt werden. In Frage kommen dort das Turnen betreffende kleine Geschenke wie Riemchen als Schlüsselanhänger oder ähnliches. Außerdem sollen diese in der auf der Homepage einzusehenden ‚Hall of Fame‚ verewigt werden, in der neben besonderen Leistungen auch die Abzeichen eingetragen werden sollen.

7. Umgang mit den Turnern

Kritik und Korrektur sind wichtig und notwendig, doch wie bei allem macht der Ton die Musik. So sollte Lob und Kritik in gleichem Maße verteilt werden. Gerade bei unseren jüngsten ist ein positives Erleben des Turnens wichtig für eine nachhaltige Bindung an die Abteilung und den Verein. Kritik oder Verbesserungsvorschläge sollten mithilfe des Feedback Sandwich verteilt werden (Auch Hamburger Methode genannt).
(C) n8tip.com
Kurz zusammen gefasst funktioniert diese Art des Feedbacks nach der Methode Lob, Kritik, Lob. Zuerst wird gelobt, dann kommt der eigentliche Kritikpunkt und zum Schluss erfolgt wieder ein kleines Lob. Dabei soll das Lob ernst gemeint sein und muss nicht ausufernd werden. Durch diese Reihenfolge verschließt sich das Gegenüber nicht automatisch, nimmt dadurch die Kritik besser auf und kann diese eher umsetzen und behält seine positive Grundstimmung.

8. Zusammenfassung

Da mir bekannt ist, dass ein Teil meiner Leser längere Text, wenn überhaupt, nur überfliegend liest, hier die mir wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Motivation zum Turnen soll aus den Turnern selbst kommen
  • Keine Wartezeiten mehr
  • Auf dem Weg zum Anstellen sollen Grundfertigkeiten trainiert werden (Rückwegübung)
  • Urkunden sollen den Fortschritt der Turner auch nach außen hin sichtbar machen
  • Hausaufgaben sollen eingeführt und regelmäßig kontrolliert werden
  • Gesammelte Punkte durch erbrachte Leistungen können während des Trainings in ein Wunschgerät oder ähnliches umgesetzt werden
  • Umgang mit den Turnern soll mehr Lob enthalten. Kritik besser in Form eines Feedback Sandwich
  • Verewigung besonders fleißiger Sportler in der Hall of Fame
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Eine Antwort auf Konzept zur Leistungssteigerung der Turner in der Abteilung Gerätturnen männlich im Turnverein Cochem

  1. Profilbild von stark stark sagt:

    ......huch, tobi da hast du aber eine fleißarbeit hingelegt. viel glück beim umsetzen!

    Mag ich(2)Mag ich nicht(0)

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