Werden Jungs oder Mädchen bevorzugt?

Ich bin vor Kurzem über folgenden Beitrag gestolpert: Bevorzugung in der Schule? auf meinTestgelaende.de. Warum dieses Video mich Inne halten ließ? Im vergangenen Semester habe ich mich mit genau diesem Thema beschäftigt und kam nicht zu einem deckungsgleichen Ergebnis der befragten Kinder und Jugendlichen.

Sozialisierte Erwartungshaltungen
Starkes Geschlecht?
Institutionelle Diskriminierung?
Rollenbilder und Finden der eigenen Rolle
Interaktionsfeld Turnhalle

Bei meinen Recherchen wurde deutlich, dass die so oft gepriesene Gleichbehandlung der Geschlechter in der Schule nur auf dem Papier stattfindet. In mehreren Gebieten, so ergaben einige Studien ist der koedukative Unterricht nicht neutral. Was in dem Video von der Gruppe Jungs erzählt wurde, dass sie den Eindruck hätten, Mädchen würden bevorzugt werden, konnte anhand von mehreren Beobachtungen bestätigt werden.

Sozialisierte Erwartungshaltungen

Dabei kommt es vor, dass wir an ein Geschlecht, sei es nun Junge, Mädchen oder weitere, ganz bestimmte Vorstellungen haben, wie sich so jemand verhalten müsse. Jungen gelten von Haus aus als impulsiver, aggressiver, lauter und als durchsetzungsfähiger, wohingegen Mädchen eher als lieb, still, pflichtbewusst, sozial empathisch und aufmerksam gelten.
Die Frage, die sich hier stellt ist, ob diese Eigenschaften wirklich auf alle Mädchen und Jungs zutreffen. Zugegeben, auf die breite Masse mag dies zutreffen, schaut mensch aber genauer hin, so fällt mir spontan kein Junge ein, der nur die oben beschriebenen „männlichen“ Eigenschaften in sich vereinen würde. Jungen haben ihre sozialen Fähigkeiten; sie kümmern sich umeinander oder sind in der Lage aufmerksam Anweisungen zu folgen.
Folglich sind die Zuschreibungen, die wir Jungs oder Mädchen gegenüber vornehmen, Erwartungen, die wir aufgrund unserer Sozialisation erfahren haben. Egal in welchem Umfeld wir uns bewegen, ständig begegnet uns das Thema des Geschlechts und das Spiel oder die Auseinandersetzung damit. Die mediale Ausgestaltung, die Nutzung von Rollenbildern für die Werbung und die tägliche Reproduktion derselben in diversen TV-Formaten oder durch verschiedene Zeitschriften, gibt uns unbewusst ein Rollenbild und eine Erwartungshaltung vor, die wir unserer Umwelt, meist unbewusst, überstülpen.

Starkes Geschlecht?

So wird ein gesellschaftliches Bild propagiert, was zum einen nicht mehr zeitgemäß, zum anderen den vorherrschenden Gegebenheiten nicht mehr entspricht. Das als bislang stark geltendes Geschlecht der Männer wurde längst überholt von den Frauen. Selbstbehauptungskurse für Frauen, aufstrebende Frauen in Führungspositionen und die Anzahl der Frauen mit Abitur hat längst die der der Männer überholt. Die Schule als wichtiges Lebensereignis wird dominiert von weiblichen Lehrkräften; Männer werden entweder als Schulleiter oder Hausmeister wahrgenommen. Damit möchte ich nicht den Trend zu mehr weiblichem Lehrpersonal kritisieren, ich möchte Anregungen für einen veränderten Umgang mit Geschlecht geben.
Somit stellt sich die Frage, wer aktuell das stärkere Geschlecht ist. Die Unterstützungen, die Mädchen in den vergangenen Jahren erfahren haben, geben ihnen einen deutlichen Vorteil gegenüber den Jungs, die zuvor das exklusive Recht auf Bildung inne hatten. Vielleicht sollte eine allgemeine Förderung wieder eingeführt werden.

Institutionelle Diskriminierung

Dass Schulen von Frauen dominiert werden, zeigt sich am Verhältnis von weiblichen zu männlichen Lehrkräften. Da scheint es normal zu sein, dass aufgrund eines unbewusst vorherrschenden Rollenbildes Mädchen mehr von weiblichen Lehrkräften bevorzugt werden. Bevor mir der Vorwurf von leeren Behauptungen gemacht wird, gehe ich lieber auf den momentanen Unterricht, oder zumindest den, der mir im Turnen hin und wieder geschildert wird, ein. Darin werden typisch männliche Eigenschaften wie Impulsivität, Durchsetzungsvermögen und Kreativität gezielt unterdrückt. Gefördert werden hingegen Eigenschaften wie Aufmerksamkeit, Fleiß, soziales Miteinander in Gruppenarbeiten öder ähnliches. Diese Eigenschaften werden eher von Mädchen repräsentiert. Damit honoriert Schule die, die entweder schon Mädchen sind, oder sich so verhalten wie Mädchen. Dass das bei der Findung der eigenen Rolle nicht hilfreich ist, liegt auf der Hand.

Rollenbilder und Finden der eigenen Rolle

Die in der Schule vorgelebten Bilder, mir gefällt die aktuelle Situation in einem Großteil der Grundschulen: Die dominierenden Wesen sind Frauen, während Männer höchstens als Hausmeister auftauchen, beeinflussen die individuelle Entwicklung jugendlicher vor allem in der Pubertät. Die Gesellschaft erwartet von einem Mann Stärke, Durchsetzungsvermögen und eine Führungsposition, während die erlebte Realität in der Schule das genaue Gegenteil zeigt. Lehrerinnen, aufgrund ihrer Funktion, zeigen Stärke, Durchsetzungsvermögen und sind meist noch in der Schulleitung tätig.
Was folgt daraus für die Jungs? Vorbilder sind Mangelware. Zumindest in der Schule. Alternativen werden gesucht, jedoch kaum gefunden. Medial geprägte Rollenbilder taugen durch ihre Ferne zur erlebten Realität kaum. Da sind Vorbilder zum Beispiel in der Turnhalle um so gefragter

Interaktionsfeld Turnhalle

Jugendliche müssen sich ausprobieren. Der eine oder die andere probiert sich offensiver aus als ein anderer. In jedem Fall brauchen Jugendliche Raum um sich auszuprobieren. Diesen möchte ich / möchten wir unseren Sportlern bieten. Gerade im Training ist ein Machogehabe, was leider immer noch als klassisch männlich gilt, fehl am Platze. Im Training heißt es nicht nur auf sich, sondern auch auf andere zu achten und Rücksicht zu nehmen.
Besonders eindrucksvoll ist dabei immer wieder die Beobachtung, dass die „neuen“ Übungsleiter mit einem als „männlich“ deklarierten Umgang mit den Kindern keinen Trainingserfolg haben. Sehr schnell schwenken alle um auf ein Verhalten, was sich zwar deutlich von dem klassischen weiblichen Rollenbild und auch von dem Erlebten in der Schule unterscheidet, ansonsten jedoch viel Einfühlungsvermögen und Verständnis für unsere jüngsten Turner beinhalten kann.

Wie steht ihr zu diesem Thema? Seht ihr Nachteile, weil ihr ein Junge/männlich seid? Gibt es Vorteile? Lasst es mich wissen :-)

Mag ich(0)Mag ich nicht(0)
Dieser Beitrag wurde unter Medien, Sonstiges abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreib einen Kommentar