Ergebnisse der Abteilungsversammlung

Hier kommen die Ergebnisse der Abteilungsversammlung:

Zuerst: Es hat mich überrascht, wie viele Menschen zu dieser Versammlung kamen. Dafür an alle Anwesenden ein herzliches Dankeschön. Wir haben etwa 45 Minuten miteinander gesprochen, überlegt und Lösungen diskutiert.

Worum ging es: Wie bereits in meinem vorherigen Beitrag angekündigt, wurde die Trainersituation erläutert. Diese stellt sich wie folgt dar: Aktuell „arbeiten“ folgende Personen als Trainer im Gerätturnen männlich: Eduard, Jann, Aaron und Ich. Anna konnte ihre Trainertätigkeit nach den Sommerferien aufgrund ihrer Arbeitsstelle leider nicht mehr aufnehmen und Dennis, fertig ausgebildeter Trainer, macht der Stundenplan eine regelmäßige Trainertätigkeit aktuell unmöglich. Die bestehende Situation wird sich verändern. Nach nun über 40 Jahren Trainertätigkeit wird Eduard zum Ende des Jahres aufhören. Dieser Schritt ist ihm nach dieser langen Zeit sicherlich nicht leicht gefallen. Trotzdem haben wir alle vollstes Verständnis für diesen Schritt. Ab dem 1.1.2016 werden also die beiden Übungsleiterassistenten Jann und Aaron zusammen mit mir den Trainingsbetrieb aufrecht erhalten. Dieser Zustand wird sich bis etwa April 2016 halten, genauer gesagt bis zu den Osterferien, die Mitte März bereits anfangen. Danach habe ich vor, eine Vollzeitstelle als fertiger Sozialarbeiter anzunehmen. Wie ihr vielleicht wisst, studiere ich zur Zeit Soziale Arbeit, befinde mich im letzten Semester und schreibe an meiner Abschlussarbeit. Neben meinem Studium bin ich nicht nur im Turnen engagiert, sondern auch in der Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde Maifeld angestellt. Die Jugendarbeit bringt es mit sich, dass ich primär in den Ferien und Abends arbeite. Bisher habe ich sowohl das Studium, als auch die Arbeit so legen können, dass ich nebenher immer noch zum Turnen kommen konnte. Wie sich das mit einer vollen Stelle verändern wird kann ich heute leider noch nicht abschätzen. Eine Stelle in der Jugendarbeit bringt es nun einmal mit sich, dass ich abends arbeiten werde. Wo ich eine solche Stelle annehme und ob es tatsächlich die Jugendarbeit wird, kann ich heute, wie gesagt, nicht genauer festhalten. Sicher bin ich bis Mitte oder Ende März für die Turnabteilung als Trainer einsetzbar. Über die Zeit danach haben wir uns daraufhin Gedanken gemacht.

„Übrig“ im April 2016 bleiben Jann, Aaron und Dennis. Die beiden erstgenannten werden nächstes Jahr unter 16 Jahren sein, Dennis knappe 18 Jahre. Dazu führte ich folgendes aus: Aktuell propagiert der TVM (Turnverband Mittelrhein) in seinen Trainerausbildungen, dass bereits 16jährige lizenzierte Trainer !alleine! Training machen dürfen. Der Vorstand des TV Cochem sieht diese Entwicklung zwar skeptisch, würde sich aber dieser Haltung anschließen, wenn es nicht anders geht. Meine Meinung dazu ist eine andere. Im Rahmen des Studiums habe ich unter anderem unser Rechtswesen genauer kennengelernt. Dem verzwickt formulierten Paragraphen §832 BGB kann entnommen werden, dass Minderjährige der Aufsicht bedürfen. Minderjährig sind alle Menschen unter 18 Jahren. Siehe dazu hier oder hier. Demnach bedarf ein minderjähriger Mensch immer einer Beaufsichtigung. Zwar sagt der Gesetzgeber, dass auch Jugendliche, entsprechend ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung Aufgaben übernehmen dürfen, dies entbindet sie selbst aber nicht der Aufsichtspflicht durch einen Erwachsenen.
Aktuell zeigt sich diese Problematik dadurch, dass immer dann das Training der Älteren in den Somemrferien ausfallen musste, wenn ich nicht da war, bzw. immer dann, wenn niemand über 18 gefunden wurde, der die Verantwortung übernahm. Die fachliche Leitung wird in meiner Abwesenheit bereits jetzt schon von Dennis übernommen. Der anwesende Volljährige übernimmt in meinem Auftrag die Verantwortung.
Diese Problematik, dass es zwar minderjährige Menschen mit Fachwissen geben wird, aber keinen Erwachsenen gibt, der die Verantwortung und die Aufsicht übernimmt, wird sich im schlimmsten Fall ab April 2016 intensivieren.

Als Lösung für dieses Problem wurde die „Mutti-“ oder „Vati-Lösung“ diskutiert. Die Turner übernehmen die fachliche Leitung, während Eltern dabei sitzen und für die nötige Aufsichtspflicht sorgen. Eine Abwandlung dieser Idee ist, dass engagierte Eltern beim jetzigen Training hospitieren und so langsam das nötige Fachwissen aufbauen das es braucht, um ein gutes Training durchführen zu können. Bei dieser Lösung ist zu beachten, dass diese Lösung sich auf das Verhalten der Jungs auswirken wird. In Anwesenheit der Eltern verhalten wir uns alle anders, als in deren Abwesenheit. Dieser Umstand ist zwar relevant, jedoch nicht grundsätzlich hinderlich.
Da nicht alle Eltern so viel Zeit aufbringen können, wie ich es momentan tue, ich stehe aktuell 10,5 Stunden in der Woche in der Halle, wurde eine Art Schichtdienst besprochen, um die zuvor ausgeführte Lösung zu verwirklichen. Verschiedene Eltern sollen/wollen sich abwechseln, damit der/die Einzige nicht so viel Zeit aufbringen muss oder damit die Trainingszeiten mit wechselnden Arbeitszeiten harmonisieren.
Training lebt von Weitblick und Kontinuität. Ein ständig wechselnder Trainer ist nicht nur für die Qualität des Turnens hinderlich, es ist zudem etwas, auf das sich die Turner jedes Mal neu einstellen müssen. Jeder trainiert anders und bei einem ständigen Wechsel ist es schwierig mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten zurecht zu kommen.

Eine weitere Lösung wurde angeregt in der Akquirierung von Trainern aus dem Umfeld des Vereins, in der Zeitung und überregional durch gezielte Anzeigen in Sportzeitschriften. In der heutigen Ausgabe des Stadt- und Landbotens ist bereits ein solcher Aufruf abgedruckt (Seite 41). Allerdings zeigt sich durch die Kommunikation mit anderen Vereinen, dass diese Werbung nur in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt ist.

Ein anderer Vorschlag bestand darin, alte Turner aufzuspüren, die mittlerweile selbst Kinder haben und ihr altes Turnerwissen und -können zusammen mit ihren eigenen Söhnen mit dem Rest der Welt teilen. Diese Lösung haben wir intern bereits geprüft, jedoch ohne zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen.

Der Zusammenschluss mit Bengel zu einer Trainingsgemeinschaft, wie sie im Fußball mittlerweile häufig ist, habe ich im Hinblick auf die aufzubringenden Fahrzeiten und -wege leider direkt ablehnen müssen. Es ist meiner Meinung nach unzumutbar für alle Turner 35 – 40 Minuten mehrmals in der Woche entweder aus Bengel und Umgebung nach Cochem oder aus Cochem und Umgebung nach Bengel zu fahren um so der Trainerknappheit zu begegnen.

Natürlich ist die Trainerknappheit keine Entwicklung, die plötzlich kommt. Wir versuchen dem durch Ausbildung von neuen Trainern entgegenzuwirken. In den vergangenen 12 Jahren wurden insgesamt 13 Trainer ausgebildet. Von diesen bin ich neben Dennis der Einzige, der davon noch in Cochem ist. Der Grund hierfür ist immer der gleiche. Nach dem Abitur ziehen die Jungs aufgrund ihres Studiums weg und finden nach ihrem Studium im Umkreis ihrer Uni auch die angestrebten Arbeitsstellen. So haben wir aktuell ehemalige Trainer in Heidelberg, Mannheim, Mainz, Koblenz, Aachen oder Düsseldorf wohnen. (Ich hoffe ich habe keinen vergessen)

Festgehalten beim Treffen wurde, dass sich Eltern engagieren wollen, den Turnbetrieb erst einmal aufrecht zu erhalten, da sich alle einig sind, dass das Turnen einen hohen Stellenwert hat und auch in Zukunft besitzen soll.

(Eine perfekte Überleitung)

In einem Turnverein soll das Turnen einen hohen Stellenwert haben. Aktuell sind wir in unserem Turngau Mosel neben Bengel der einzige Verein, der noch Turnen für Jungs anbietet (1 Turner in Kröv lasse ich jetzt mal bewusst außen vor). Im Turnverband sieht es nicht sehr viel besser aus. Turnen ist eine der wenigen Sportarten, die den ganzen Körper inklusive Geist fordert und trainiert im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten. Doch sieht das unser Verein auch so?
Im Vorstand des TV Cochem, dem ich als Jugendwart ebenfalls angehöre, wird aktuell diskutiert, wie die Haushaltslage so verändert werden kann, dass der Verein den jetzigen und zukünftigen Herausforderungen entspannt entgegensehen kann. Um eine gerechte Verteilung der Gelder im Verein auf die einzelnen Abteilungen zu gewährleisten, entstand die Idee, einer „Kopfpauschale“. Diese stellt einen Betrag dar, den eine Abteilung für jeden ihr primär zugeordneten Sportler erhält. Nun gibt es dabei mehrere Probleme:
Turnen ist von Haus aus personalintensiv. Eine Betreuung von 1:3 bzw. 1:4 gewährleistet ein qualitativ hochwertiges Training, welches nötig ist, um auf Wettkämpfen gegen andere Turner zu bestehen. Würde diese Betreuung nach oben gesetzt, so verändert sich die Qualität des Trainings hin zu einem Verwahren der Sportler, das nur den verletzungsfreien Ablauf gewährleistet, nicht aber ein qualitativ hochwertiges Training. Das extreme Gegenbeispiel ist hier Volleyball, bei dem ein Betreuungsschlüssel von 1:12 und mehr normal ist. Beide Sportarten sollen mit dem gleichen Schlüssel mit Geld versorgt werden. Volleyball würde sich freuen, Turnen nicht. Eine vorsichtige Hochrechnung hat ergeben, dass unsere Abteilung seit Juli über dem errechneten Budget liegt. Wenn Turnen weiterhin einen hohen Stellenwert bei uns im Verein haben soll, dann muss die Besonderheit des Turnens berücksichtigt werden.
Ein anderes Problem besteht darin, welche Abteilungen herangezogen werden, um dieses Budget zu errechnen. Wird nur unsere Abteilung genommen, sind wir sehr defizitär. Würden die Kinderturnabteilungen hinzugerechnet hätten wir mehr Geld zur Verfügung, als wir bisher überhaupt ausgegeben haben. Wichtig dabei ist, dass sowohl wir Männer, als auch unsere Damenabteilung von einem Überschreiten des Budgets betroffen sind.
Das größte Problem dabei besteht in der Argumentation, warum, nach über 40 Jahren Gerätturnen männlich mit Eduard, jetzt auf einmal unsere Abteilung defizitär sein soll. An unserer Trainersituation hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig geändert. Die Ausstattung mit Trainern war über die letzten Jahren recht konstant.
Als Lösung wird ein Zusatzbeitrag diskutiert. Dieser ist nach der letzten Jahreshauptversammlung möglich, in der eine Änderung unserer Satzung von den Anwesenden der Jahreshauptversammlung, ich glaube sogar einstimmig, abgesegnet wurde. Siehe dazu §4 unserer Beitragsordnung. Dies würde sowohl den Slogan „Ein Beitrag, alle Abteilungen“ korrumpieren, als auch die Turnabteilung bzw. die Gerätturnabteilung zu etwas besonderem, etwas besserem machen. Wenn ich einen Zusatzbeitrag bezahle, möchte ich auch einen Zusatz an Leistung erhalten. Wir würden damit aber nur das bereits Bestehende aufrecht erhalten können. Außerdem sträubt sich in mir der Sozialarbeiter gegen einen Zusatzbeitrag, da der Jahresbeitrag bereits jetzt für einige Familien eine ordentliche Belastung darstellt.

Die Frage, in wie weit der Verein wettkampforientierte Angebote bereitstellen muss, mit dem dafür notwendigen personellen Aufwand, wird immer noch heiß im Vorstand diskutiert. Unsere Satzung sieht vor, dass wir ein Breitensportverein sind. Wie diese Formulierung auszulegen ist, ist Geschmackssache. In der Versammlung gestern bestand weitestgehend Einigkeit darüber, dass der Wettstreit ein natürlicher Bestandteil des Sports ist und als solcher auch in einem Breitensportverein zur Geltung kommen muss. Denn es sind nicht die breitensportlich aufgestellten Abteilungen, die dem Verein Artikel in den Zeitungen bringen…

So ausgereift diese Idee bereits erscheint, beschlossen ist sie noch nicht. Es ist momentan etwas, das nur im Vorstand diskutiert wird. Vielleicht stellt sich heraus, dass wir in der Abwägung von Kosten und Nutzen sehr ökonomisch arbeiten und es nie einen Zusatzbeitrag für uns geben wird.

Die Diskussion um eine Budgetierung des Sportbetriebs ist Wissen, dass eigentlich nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll um keine Pferde scheu zu machen. Ich finde es aber wichtig, dass ihr informiert seid. Denn ihr seid das mächtigste Organ im Verein. (Siehe dazu §32 BGB) Ihr seid die Mitgliederversammlung. Ihr bestimmt mit eurem Votum wer im Vorstand sitzt, ihr segnet Haushaltspläne ab und ihr stimmt Satzungs- oder Beitragsänderungen zu oder nicht. Der Vorstand ist nicht sich selbst, sondern seinen Mitgliedern verpflichtet. Und deshalb informiere ich euch über diese Entwicklung. Siehe dazu auch hier und hier.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass die dargestellten Szenarien die schlimmsten aller Möglichkeiten darstellen. Da sie aber denkbar sind und ich euch nicht im Januar oder März/April vor gemachte Tatsachen setzen möchte, habe ich diesen Schritt unternommen um euch in diesen Prozess einzubeziehen und gemeinsam mit euch nach Lösungen zu suchen, wie die Abteilung Gerätturnen männlich im TV Cochem auch in Zukunft bestehen bleiben kann.

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